Unscharfe Fotos mit dem Handy – was ist die Ursache?

Neulich kam einmal die Frage auf, was man gegen unscharfe Fotos mit dem Handy tun kann. Grundsätzlich versuche ich solche Fragen immer einfach und erweitert zu beantworten, da nicht alle Handyfotografen sich mit der Fotografietechnik auskennen.

 

Die einfache Antwort ist: Es gibt eigentlich nur 2 übliche Ursachen von Unschärfe: Fehlfokus und Verwacklung.

  • Um Fehlfocus zu vermeiden, sollte man manuell per Touch eine Stelle mit großem Kontrast oder einer gut sichtbaren Kontur anwählen. Bei Nachtfotos ist das oftmals ein Licht in weiter Entfernung. Ein Beispielbild findet ihr dazu etwas weiter unten.
  • Um Verwacklung (bei wenig Licht) zu vermeiden sollte man das Handy möglichst still halten, ggf. sich auflehnen oder anlehnen und wer es kann die Belichtungszeit im Auge behalten. Denn um so dunkler es ist, um so länger wird die Belichtungszeit, welche die Unschärfe hervorruft. Eine Belichtungszeit von über 1/10s (das ein oder andere Handy zeigt das an) ist daher sehr ratsam, dies ist aber je nach Handymodell und Bildstabilisator unterschiedlich. Diese Zahl ist also nur ein Richtwert. Etwas weiter unten gibt es wieder ein Beispielbild.
Mein Tipp ist es sich ein Ministativ anzuschaffen, damit gibt es kein Verwackeln mehr! Ich habe dieses flexible Stativ von Kungfuren  und finde das ziemlich genial, da man es fast überall befestigen kann, es schön weich ist und auch mein großes LG V20 aufnimmt. Zudem gibt es noch einen Fernauslöser dazu, der auch super einfach per Bluetooth funktioniert.

 

Es gibt auch noch Bewegungsunschärfe. Um so schneller sich dein Motiv bewegt und desto näher es ist bei der Bewegung, um so kürzer muss die Belichtungszeit sein. Eine kurze Belichtungszeit bekommt man mit ausreichend Licht (zB. am Tag oder viel Kunstlicht). Oder indem man im manuellen Modus der Kamera die ISO noch etwas hochstellt – viele Kameras machen das auch automatisch im Sportmodus.

Das ganze ist natürlich erst einmal grob und pauschal geschrieben.



Falls es euch genauer interessiert, dann lest ab hier weiter.

Ein Tipp vorweg: Bei jedem Handy kann man die Details zu Bildern aufrufen, also sich die Aufnahmedaten anzeigen lassen (bei Android mit lange draufdrücken und dann im Menü ganz unten „Details“ wählen. In den Aufnahmedaten findet ihr die Aufnahmeparameter – mehr dazu im folgenden Text:

 

Unschärfe aufgrund Fehlfocus

Fehlfokus bei einem Handy – alles ist unscharf, aber es gibt keine Lichtspuren in den Spitzlichtern

Wie bereits oben geschrieben haben Handys einen Kontrast-Autofocus. Der Focus wird technisch mit einer Linse(-ngruppe) umgesetzt, welche sich innerhalb des Objektivs bewegt und so die Schärfe reguliert. Der Sensor liest die eingefangenen Bildaten aus und schaut, wo er die höchsten Kontraste findet, danach wird die Linse(-ngruppe) gestellt. Kann der Sensor aber keinen Kontrast finden, so zB. bei großen gleichfarbigen Flächen oder auch in der Nacht bei vielen dunklen Bildbereichen, kann es passieren, dass er Informationen fehldeutet. So entsteht der Fehlfocus. Vermeiden kann man dies nur wie oben beschrieben. Fehlfocus erkennt man im übrigen auch sehr gut daran, wenn die Belichtungszeit ausreichend hoch war (siehe folgender Abschnitt) und wenn die Spitzlichter punktuell und nicht in eine Richtung verwischt sind. Im Bild rechts kann man dies sehr gut erklären. Spitzlichter sind signifikante Punkte, die durch Reflexionen heller Lichtquellen entstehen, so hier zB. die Reflexion im Fenster in der Mitte, am Auto unten oder etwas weiter hinten an der Dachrinne. Wenn man das Bild im großen betrachtet, sieht man, dass diese nicht in eine Richtung verwischt sind. Im Abschnitt weiter unten seht ihr gleich, wie verwischte Spitzlichter aussehen.

 

Unschärfe aufgrund zu niedriger Belichtungszeit

zu lange Belichtungszeit bei einem Handy – alles ist unscharf, man erkennt deutlich die Verwackelungsrichtung, besonders in den Spitzlichtern

Vor allem bei wenig Licht muss eine Kamera die fehlende „Lichtinformation“ erhöhen, damit ein korrekt belichtetes Bild (nicht zu dunkel) herauskommt. Dazu muss man erst einmal wissen wie eine Kamera funktioniert. Es gibt nur 3 Parameter, welche die Lichtmenge bestimmen, welche auf den Sensor gebrannt wird. Blende, ISO und die Belichtungszeit. Die Blende ist bei Handykameras fast immer fix und wird mit einem F-Wert angegeben (zB. F 1.8). Um so niedriger die Blendenzahl ist, um so größer ist die Öffnung der Linse der Kamera. Daher werben Premiumhersteller, wie zB. Samsung mit niedrigen Blendenzahlen ihrer Kameras. Die ISO ist die Lichtempfindlichkeit des Sensors, welche elektronisch erhöht werden kann (z.B. ISO50 oder ISO800). Nun ist man aber immer bestrebt die ISO so niedrig wie möglich zu halten (<=ISO100), da hohe ISOs dafür sorgen, dass das Bild etwas zermatscht wird. (Leichte unschärfe, fehlende Farben, Bildrauschen,…- besonders beim Handy !). Das ist technisch bedingt eine Grundregel. Nun kommt aber die Belichtungszeit (in Sekunden, bspw. 1/100s). Diese wird entsprechend der Blende und der niedrigen ISO von der Automatik der Kamera angepasst und ist am Tag recht kurz (z.B. 1/1000s), da viel Licht vorhanden ist. Im Dunkeln aber muss die Belichtungszeit länger werden, da wenig Licht vorhanden ist und geht so schnell in einen Bereich länger 1/20s. Es kann nun passieren, dass die Belichtungszeit zu lang wird. Das versucht die Automatik der Kamera mit der ISO auszugleichen, indem diese angehoben wird. Allerdings ist die Automatik etwas dumm und weiß nicht genau, welche Belichtungszeit ihr aus der Hand halten könnt und wie schnell sich zB euer Motiv bewegt. Zu dem Thema habe ich bereits hier einmal einen Artikel geschrieben, der gut beschreibt, wie man das umgehen kann und man immer das optimale Bildergebnis erhält. Man kann manuell eingreifen und sich dieser Tricks bedienen, aber irgendwann ist es nur noch mit Stativ möglich. Achtet darauf, wenn ihr viel Fotos im dunkeln macht oder dort bessere Bildergebnisse erzielen wollt auch auf eine niedrige Blendenzahl eurer Handykamera! Aber das A und O ist erst einmal, wie oben beschrieben zu versuchen das Handy sehr ruhig zu halten und sich Anlehn/Auflehntricks zu bedienen.

Wenn ihr mehr zum Thema Blende, Belichtungszeit und ISO wissen wollt, schaut einmal auf fotolehrgang.de   nach – das gilt alles nicht nur für richtige Kameras, sondern auch für Handys! Wer die Technik beherrscht, macht bessere Fotos!

Unschärfe aufgrund zu niedriger Belichtungszeit bei einem Handy Foto erkennt man im übrigen auch daran, wenn man in das Bild reinzoomt. Dort sieht man meist eine Art Lichtspur in den Spitzlichtern und in Lichtquellen, wie bereits im vorigen Abschnitt angesprochen. Im Bild sieht man deutlich, dass zB. die kleineren Lichtern in den Festern oder die Straßenlaternen eine Spur schräg nach unten rechts ziehen.

 

 

Unschärfe aufgrund von Bewegung

Bewegungsunschärfe bei einem Handy – alles ist scharf, aber das Fahrzeug zieht eine unscharfe Spur

Wenn sich euer Motiv bewegt, wird es für die Zeit aufgenommen, in welcher sich die Belichtung des Sensors vollzieht. Eben die Belichtungszeit. Bewegt es sich innerhalb dieser Zeit im Bild von A nach B, verschwimmt es. Es gibt am Tag jedoch Belichtungszeiten von 1/1000 bis 1/4000s oder mehr. In dieser Zeit schafft es fast kein „Ding“ sich so schnell von A nach B zu bewegen. Selbst ab 1/200s wird es sehr schwer. Aber solch niedrige Belichtungszeiten schafft man nur mit viel vorhandenem Licht. Man kann auch hier mit dem manuellen Modus oder dem Sportmodus der Kamera eingreifen, wie oben beschrieben. Viele Kameras zeigen dann auch die Belichtungszeit an, probiert damit etwas herum. Um herauszufinden, welche Belichtungszeiten für welche Bewegungen ausreichend sind, muss man etwas Erfahrung sammeln. Für Menschen in Innenräumen benötigt man meist 1/50s – 1/100s. Es sei denn sie halten ganz still, dann reicht auch manchmal 1/15s-1/30s. Sportler schafft man teils erst ab 1/1000s.

Im Bild rechts sieht man mal ein kleines Beispiel. Das Foto ist scharf, aber das Fahrzeug ist unscharf, da es zu schnell ist für die Belichtungszeit.

 

 

Unschärfe aufgrund technischen Defekts

Es kann auch in Ausnahmefällen passieren, dass Eure Kamera einen Defekt hat. Das ist schwierig herauszufinden. Am besten vergleicht ihr Eure Handykamera mit einem anderen Handy, zB. von Freunden oder dem Partner. Wenn Euer Handy auffällig oft daneben liegt, hilft es nur noch sich an den Hersteller oder den Verkauf zu wenden. Tricks und Möglichkeiten mit Updates gibt es an dieser Stelle meist keine.

Ein Kommentar

  1. cool. danke für den artikel. hat mir sehr geholfen!
    In zukunft werden die bilder damit bestimmt besser.
    hat mich schon immer angenervt im dunkeln wenn das verwackelt

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